Kurven-Kratzen in Südtirol
Meine zweite Trainingstour vor dem Nordkapp!
Der Countdown läuft. Mein grosses Ziel für dieses Jahr wirft seine gewaltigen Schatten voraus: Im August geht es ans legendäre Nordkapp! Doch bevor ich meine Maschine in Richtung der endlosen Weiten Skandinaviens lenke, muss ich sicherstellen, dass Fahrer und Material absolut "ready" sind.
Deshalb steht Ende Juni / Anfang Juli meine zweite grosse Trainingstour an. Und welches Terrain wäre besser geeignet, um Mensch und Maschine auf Herz und Nieren zu prüfen, als das absolute Kurven-Mekka Europas? Richtig: Es geht nach Südtirol!

Warum Südtirol das perfekte Trainingslager ist
Für das Nordkapp brauche ich Ausdauer, für Südtirol brauche ich Technik. Die Alpenregion im Norden Italiens bietet alles, was das Motorradfahrer-Herz höher schlagen lässt – und bringt mich gleichzeitig fahrerisch an meine Grenzen.
Enge Spitzkehren, rasante Passstrassen, unberechenbares Bergwetter und steile Anstiege sind der ultimative Stresstest für mein Bike und meine Kondition. Wenn ich Südtirol meistere, kann mich auf dem Weg zum Nordkapp (fast) nichts mehr schocken.
Zwischen Alpen und Adria: Ein kurzer Blick in die Geschichte
Südtirol ist nicht einfach nur Italien, und es ist nicht mehr Österreich – es ist eine faszinierende Welt genau dazwischen. Für mich als Motorradfahrer ist die Geschichte dieser Region besonders spürbar, denn viele der spektakulärsten Passstrassen, die ich heute mit einem Grinsen unterm Helm fahre, haben einen ernsten, historischen Ursprung.
- Österreichisches Erbe & der Erste Weltkrieg: Jahrhundertelang gehörte Südtirol zum Habsburgerreich (Österreich). Während des Ersten Weltkriegs verlief hier hoch oben in den Bergen die erbittert umkämpfte Alpenfront zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Viele der heutigen Schotterpisten und hochalpinen Straßen wurden damals unter unmenschlichen Bedingungen als militärische Versorgungswege in den Fels gesprengt.
- Der Wechsel zu Italien: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde Südtirol (südlich des Brenners) Italien zugesprochen. Es folgte eine dunkle Zeit der erzwungenen "Italianisierung" unter Mussolini, bei der die deutsche Sprache und Kultur unterdrückt wurden.
- Das heutige Südtirol: Heute ist die Region eine Autonome Provinz. Das bedeutet: Sie gehört zu Italien, verwaltet sich aber zu grossen Teilen selbst und behält einen Grossteil ihrer Steuereinnahmen. Das spürt man! Die Infrastruktur (und vor allem der Asphalt!) ist exzellent. Heute leben hier deutsche, italienische und ladinische Muttersprachler friedlich zusammen und erschaffen diesen einzigartigen Mix aus alpiner Bodenständigkeit und mediterranem "Dolce Vita".
Meine Highlights: Darauf freue ich mich am meisten
Die Routenplanung läuft bereits auf Hochtouren. Hier sind ein paar Highlights, die ich auf meiner Südtirol-Tour fest im Visier habe:
- Das Stilfser Joch (Passo dello Stelvio):
Der Endgegner unter den Alpenpässen. 48 Kehren auf der Ostseite arbeiten sich auf 2'757 Meter Höhe hinauf. Hier wird sich zeigen, wie gut ich meine Maschine in engen, steilen Schräglagen beherrsche. - Die Sellaronda in den Dolomiten:
Das UNESCO-Weltnaturerbe bietet eine Kulisse, die einem die Tränen in die Augen treibt (wenn man nicht gerade auf die nächste Kurve fokussiert sein müsste). Die Runde über Pordoi-, Sella-, Grödner- und Campolongopass ist ein absolutes Muss. - Das Timmelsjoch:
Wahrscheinlich mein Eintrittstor von Österreich nach Italien. Die hochalpine Strasse schraubt sich durch karge Felslandschaften und bietet atemberaubende Ausblicke. - Knödel trifft Pasta:
Nach 8 Stunden im Sattel gibt es nichts Besseres als die Südtiroler Küche. Nirgendwo sonst kann ich als Vorspeise einen perfekten Teller Spaghetti Carbonara und als Hauptgang herzhaftes Hirschgulasch mit Speckknödeln bestellen.
Ende Juni ist die perfekte Zeit: Die meisten hohen Pässe sind dann garantiert aus dem Winterschlaf erwacht und schneefrei, aber die grosse Hitzewelle und der absolute Hochsommer-Verkehr haben noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.
Ich werde Euch hier auf dem Blog natürlich mitnehmen – mit Routenberichten, Fotos von glühenden Bremsscheiben und einem ehrlichen Fazit, wie gut ich wirklich auf das Nordkapp vorbereitet bin.
Habt ihr absolute Geheimtipps für Südtirol? Versteckte Pässe, die ich fahren sollte, oder urige Gasthöfe, an denen ich unbedingt anhalten muss? Schreibt es mir in die Kommentare!
Linke Hand zum Gruss,
Euer Tom von RoutenLust